Vom Mädchen, das „Polizeihund“ werden wollte, zur Tierheimleiterin und Retterin unzähliger Hunde: Lillas Weg zeigt eindrucksvoll, dass Kindheitsträume manchmal anders wahr werden als erwartet – und dabei vielleicht sogar noch mehr bewirken.
Heute möchten wir euch Lilla vorstellen.
Lilla ist Tierheimleiterin von Hof Hoffnung, leidenschaftliche Tierschützerin und setzt sich seit ihrer Kindheit für Tiere in Not ein. Für sie ist Tierschutz kein Beruf, sondern eine Berufung. Besonders die Geschichten von geretteten Tieren, die heute ein glückliches Leben führen, geben ihr jeden Tag neue Kraft.
Im Interview erzählt sie von ihrer ersten Tierrettung als Kind, bewegenden Rettungsgeschichten, lustigen Erlebnissen mit ihren Schützlingen und ihrer Botschaft an alle Tierfreunde:
Wer bist du – und was sollten die Leute zuerst über dich wissen?
Ich bin Lilla Géczi, 33 Jahre alt. Neben der Tierrettung male ich und treibe sehr gerne Sport. Derzeit absolviere ich eine Ausbildung zur Sportlehrerin. Ich hoffe, dass ich mir damit in Zukunft etwas dazuverdienen kann, um noch mehr Tieren helfen zu können.
Meine Liebe zu Tieren und zur Natur hat mich schon immer geprägt. Bereits im Kindergarten habe ich Hunde gemalt, und wenn man mich fragte, was ich später einmal werden möchte, antwortete ich: „Polizeihund“. 😅
Meine erste Tierhilfe fand ebenfalls sehr früh statt. Ich muss etwa 10 bis 12 Jahre alt gewesen sein. Unser Nachbar zog weg und ließ seine beiden Hunde allein zurück, einer davon war an Krebs erkrankt. Ich wollte ihnen unbedingt helfen, aber ich wollte nicht, dass sie in einer Tötungsstation landen. Ich hatte im Fernsehen von einer Tierschutzorganisation in einer Nachbarstadt gehört und ihnen eine E-Mail geschrieben. Zum Glück reagierten sie schnell und konnten die Hunde aufnehmen. Bei der Rettungsaktion selbst konnte ich nicht dabei sein, weil ich zur Schule musste – deshalb hatte ich damals sogar Streit mit meiner Mutter.
Letztendlich wurde ich kein Polizeihund, sondern eher eine „Polizei“ für Hunde.
Was macht deine Arbeit im Tierschutz oder deinen Alltag so besonders?
Für mich ist es so selbstverständlich, dass dies mein Lebensweg und meine Berufung ist, dass ich die Tierschutzarbeit nicht als etwas Besonderes empfinde, sondern als eine natürliche Pflicht. Vielleicht ist es gerade das, was sie so besonders macht: Selbst an schwierigen und anstrengenden Tagen sehe ich sie nicht als Arbeit, sondern als Mission. Trotz aller Schwierigkeiten erfülle ich sie mit ganzem Herzen.
Welcher Moment aus deiner Arbeit ist dir am meisten in Erinnerung geblieben?
Es ist schwer, einen einzelnen Moment hervorzuheben, denn in den sechs Jahren im Tierheim habe ich so viele schöne und schwierige Geschichten erlebt. Am meisten berühren mich die Geschichten, in denen ein Tier aus schlimmen Verhältnissen gerettet wird und später ein glückliches Leben führen kann.
Besonders erinnere ich mich an die Geschichte eines Hundes, der in einem alten Kühlschrank lebte und an einen Baum in der Nähe angekettet war. Eigentlich waren wir wegen eines anderen Hundes dort, haben ihn dann aber ebenfalls mitgenommen. Heute leben beide Hunde in Deutschland bei einer liebevollen Familie – und ich glaube, solche Momente geben mir auch an schwierigen Tagen Kraft.
Was war dein lustigster oder unerwartetster Moment im Tierschutz?
Vor ein paar Jahren nahmen wir einen Hund namens Fater – heute heißt er Otto – mit zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung. Wir holten ihn von einem Bauernhof ab und brachten ihn zunächst nach Hause, um uns gemeinsam auf die Veranstaltung vorzubereiten.
Unterwegs erzählte ich meinem Mann Bálint voller Begeisterung, dass Otto der sauberste Hund sei, den ich je kennengelernt hätte, weil er seine Umgebung vom ersten Moment an, als er ins Tierheim kam, erstaunlich sauber gehalten hatte.
Kaum waren wir jedoch in der Wohnung angekommen, pinkelte er mit der größten Selbstverständlichkeit der Welt auf die Couch, durchwühlte anschließend innerhalb von etwa drei Minuten den Müll und kam schließlich mit dem Deckel des Mülleimers auf dem Kopf auf uns zu.
Seitdem sagt Bálint regelmäßig: „Ja … der sauberste Hund, den ich kenne.“ 😅
Was gibt dir die Kraft, auch in schwierigen Zeiten weiterzumachen?
Die Erinnerung an die vielen Tiere, die ich gerettet habe, gibt mir in schwierigen Zeiten Kraft. Oft schaue ich mir Bilder von glücklichen Hunden an, die jetzt „lächeln“ und ein liebevolles Zuhause gefunden haben. Sie erinnern mich daran, dass wir zwar nicht alle retten können, es aber dennoch viele Erfolgsgeschichten gibt – und dass selbst die schwersten Zeiten nicht ewig dauern.
Welche Botschaft möchtest du Tierliebhabern mitgeben, die Tieren helfen wollen?
Die wichtigste Botschaft, die ich immer wieder vermittle, ist, dass niemand an einem Tier in Not achtlos vorbeigehen sollte – denn oft ist es seine letzte Chance. Das betone ich in all meinen Vorträgen.
Viele Menschen denken, man könne nur mit Geld helfen, aber das stimmt überhaupt nicht. Schon ein Besuch im Tierheim, die Pflege der Hunde, Spaziergänge oder einfach Zeit mit ihnen zu verbringen, kann viel bewirken. Tierheime sind oft überfüllt: Es gibt zu wenige Menschen, zu viele Tiere, und für die Hunde ist es sehr wichtig, so viel Beschäftigung, Aufmerksamkeit und Liebe wie möglich zu bekommen.
Natürlich sind Spenden ebenfalls eine große Hilfe – ein Sack Hundefutter oder ein paar Dosen Futter sind immer willkommen. Aber oft zählt auch das Teilen von Beiträgen, denn dadurch findet ein Tier vielleicht ein neues Zuhause oder Hilfe erreicht genau die richtige Stelle.
Wie gelingt es dir, in dem oft stressigen Alltag eines Tierheims deine Kraft und positive Energie zu bewahren?
Hunde bringen viel Freude und Liebe in meinen Alltag, selbst in schwierigen Zeiten. Oft sitze ich einfach mit ihnen im Zwinger, und wir verbringen ein paar Minuten gemeinsam, ohne an etwas Bestimmtes zu denken. Diese Momente helfen mir sehr, und man sieht den Hunden an, wie glücklich sie die Aufmerksamkeit und Nähe machen.
Sport ist mir ebenfalls sehr wichtig. Oft nehme ich nicht einmal mein Handy mit ins Fitnessstudio, weil ich beim Training völlig im Flow bin. In solchen Momenten konzentriere ich mich nur auf den Augenblick, und für eine Weile rückt alles andere in den Hintergrund.
Als Tierheimleiterin gelingt es mir nur sehr selten, wirklich vom Alltag abzuschalten. Oft tauchen unerwartete Situationen oder komplexe Aufgaben auf, die niemand sonst für mich lösen kann – und ehrlich gesagt möchte ich sie auch nicht abgeben, denn es ist meine Verantwortung. Deshalb bin ich häufig auch an meinen freien Tagen im Einsatz. Vielleicht gibt es einmal im Monat einen Tag, an dem ich in Ruhe meinen Morgenkaffee trinken kann, weil ich weiß, dass an diesem Tag ganz sicher keine neue dringende Aufgabe auf mich wartet.



